Zurzeit bewerbe ich mich für den Studiengang "Sozialpädagogik" an der Fachhochschule Luzern, welcher im Herbst 2012 startet. Gerne möchte ich einen Auszug aus meiner Bewerbung hier teilen. Es geht in diesem Abschnitt darum, über eine bedeutsame Erfahrung aus meiner Lebensgeschichte zu schreiben :-) Meine Wahl fiel auf Natural Horsemanship...
"... Etwa mit 14 Jahren durfte ich dann auf einem Ponyhof reiten lernen. Ich genoss die Zeit auf dem Hof sehr und half überall mit, wo ich konnte. Nach einigen Jahren bei den Ponys wechselte ich zu Privatpferden, die ich reiten und pflegen durfte. Ich lernte vieles über Pferde – dachte ich. Doch ich wusste noch nicht, was ich nicht wusste. So kam ich 2006 das erste Mal mit Natural Horsemanship in Berührung.
Natural Horsemanship ist die Bezeichnung für den natürlichen Umgang mit Pferden basierend auf Psychologie und Kommunikation. Bereits das erste Mal als ich davon las, faszinierte mich die Philosophie und nach dem ersten Kursbesuch war für mich klar, dass dies mein Weg mit Pferden ist.
Kinder lernen in vielen Reitschulen, dass man das Pferd aus dem Stall nimmt, sattelt und zäumt. Dann steigt man auf, kickt, damit es vorwärts läuft und zieht an den Zügeln, wenn man anhalten oder nach rechts oder links reiten will. Wahrscheinlich würde auch jeder Nicht-Reiter das Reiten so erklären. Interessant, nicht? Wenn ich die Reiterwelt so betrachte, sehe ich häufig „kleine Diktatoren“ in den Menschen. Ohne dass es gross auffällt, kann man über ein anderes Lebewesen entscheiden, ihm sagen, was es zu tun hat, es tadeln, wenn es nicht macht, was man will und Schuld zuweisen, wenn etwas nicht geht… Mitspracherecht hat das Pferd kaum bis nie.
Was sind das für Werte, die bereits kleine Kinder unbewusst lernen?
Natural Horsemanship lehrt einem Respekt vor dem anderen Lebewesen, klare Körpersprache, faire und konsequente Kommunikation. Es gibt kaum etwas schöneres, als zu erleben, wie eine wahre Beziehung zwischen Mensch und Pferd entsteht und das Pferd aus freien Stücken mit dem Mensch zusammen sein will und interagiert und dabei seine Würde behält.
Natural Horsemanship ist in erster Linie ein Menschentraining. Ich habe dadurch gelernt, zu kommunizieren, ohne emotional zu werden, wenn es nicht angebracht ist. Es hat mich gelehrt, meine Körperenergie bewusster zu nutzen und auch aus mir herauszukommen. Durch die Pferde lernte ich, genauer hinzuschauen, zu beobachten und ein Gespür für mein Gegenüber zu entwickeln. Jedes Pferd ist einzigartig in seinem Wesen und so individuell müssen wir auf ihren Charakter eingehen, wie bei den Menschen auch. Bei Menschen stempelt man häufig viel zu schnell ab, wen man nicht mag oder mit wem man nichts zu tun haben will. Ich habe durch Natural Horsemanship auch meine Faszination dazu entdeckt, Menschen mit anderen Augen zu betrachten. Lässt man sich auf die andere Person und ihren Charakter ein, erhält man die Chance, entsprechend zu kommunizieren und so auf einen gleichen Nenner zu gelangen. ..."
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